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Hart, härter, Ötztaler Radmarathon
Kalt und nass, sehr nass, nichts außer nass, und kalt, extrem kalt!

Die Zähne klapperten, die Finger taub, der kalt Wind peitschte Emanuel Sabitzer ins Gesicht. Und das Ganze fast über 12 Stunden lang.

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Rückblende: Nach Gehörsturz, kleinem operativen Eingriff, an einer für Radfahrer nicht idealen Stellen und eine Verkühlung, stand Emanuel dennoch hier! Am Start des legendären Ötztaler Radmarathons in Sölden, Tirol. 238 Kilometer Streckenlänge, 4 Alpengipfel und über 5.000 Höhenmeter standen Sabitzer bevor. Wettervorhersage: kalt und nass!

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Man gewöhnt sich an alles!
2.020 Meter hoch, das Kühtai, Berg Nr. 1! Die Wolken hängen heute tief. Das ansonsten wunderschöne Bergpanorama versteckt sich hinter einem düsteren Schleier. Ungetrübt ist hier oben am Berg zu diesem Zeitpunkt nur die Stimmung. Zuschauer, Fans und Betreuer springen, klatschen und schreien. Wegen Sabitzer? Eher wegen der knapp 5 Grad feuchtkalten Temperaturen.
Nach sehr gefährlichen Berg- Anfahrt, oft auch mit dichtem Nebel und beschränktem Sichtfeld, erreichte Emanuel Sabitzer Berg Nummer 2, den Brennerpass. Bei der Ladestation wurden die Trinkflaschen wieder aufgefüllt, ein Müsliriegel gegessen und schon befand sich Emanuel wieder auf der Abfahrt.

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Regen, Regen, Regen
Bereits einige Kilometer unter dem Berggipfel Nr. 3, dem Jaufenpass, schlägt die Natur zurück. Es regnet, wieder mal. Darüber aufregen bringt nichts, denkt Sabitzer sich. Sich über nicht veränderbare Situationen aufzuregen macht keinen Sinn. Damit umgehen zu lernen jedoch schon. Und so erreichte Emanuel Sabitzer den vorletzten Gipfel und rollt ein weiters Mal Richtung Tal.

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Willkommen in der Todeszone!
Regen! Was auch sonst! Während des mühsamen Anstieges beginnt es zu schütten, es wird unangenehm kalt, der Sportler muss stehen bleiben und seine Regenjacke und die Handschuhe anziehen. Es ist ihm aber egal! Bereits bei der Hälfte des Tages, stellte sich bei ihm ein „Wurschtigkeitsgefühl“ ein. Er hat sich an den Regen und die Kälte gewöhnt. Zudem bieten diese, fast winterlichen Temperaturen, auch Vorteile. Z.B. geht es seinem Magen besser, als bei extremer Hitze, Sabitzer kann mehr Essen und ihm ist nie übel bzw. flau im Magen.
Schmerz verzehrte Gesichter, krampfende Oberschenkel, Sportler, die ihr Rad schieben müssen, hier beginnt die „Todeszone“ des Ötztaler Radmarathons. Hier fangen selbst die harten Jungs und Mädels an zu weinen. Spätestens hier fängt es an richtig weh zu tun. Mental jedoch, empfindet Emanuel Sabitzer persönlich dieses, zu überwindendes Bergmonster, nicht mehr zu schlimm. Schließlich befindet sich danach das Ziel, das Ende ist greifbar nahe. Jetzt aufgeben? Niemals!

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Voller Euphorie durchfahrt Emanuel Sölden, „500m“ steht an einer Tafel. Nur mehr ein halber Kilometer ins Ziel! Er biegt rechts ab, überquert die Brücke und fahrt unter dem Zielbogen hindurch. Geschafft! Wieder einmal!
Kalt! Mir ist kalt. Schnell verlasst Sabitzer das Zielgelände, geht ins Hotelzimmer und legt sich erstmal samt komplett durchnässter Radkleidung auf den Boden. Was für ein Gefühl! Später, gemütlich sitzend in der wollig warmen Sauna des Hotels, schließt er den Tag ab.
Es war eine Tortur, 11 Stunden und 46 Minuten unterwegs, davon den Großteil im Regen, fast immer in der Kälte, ständig auf nasser Straße, immer begleitet von der Angst zu Stürzen. Aber, wie Emanuel Sabitzer immer sagt, es ist doch einfach nur ein verdammt langer Tag!